Wie, ihr habt noch keines? Immer noch nicht? Puh, jetzt wird es aber knapp. Ich meine – das große Fest steht ja fast schon vor der Tür. Und auf den letzten Drücker sich ins Einkaufsgewühl zu stürzen, ist ja auch nicht so prickelnd. Zumal in Coronazeiten! Ja, es ist nur noch – ein halbes Jahr hin! Heiliger Abend! Weihnachten! Also kommt in die Puschen! – Wobei , ich gebe es zu, bei diesem schönen Wetter draußen ist es mir auch noch nicht gelungen meine Gedanken für die Weihnachtspredigt zu sammeln oder über ein Krippenspiel der Kinder nachzudenken. Was wird überhaupt gehen in diesem Jahr, wo alles so anders ist als sonst? Heute ist jedenfalls der 24. Juni. Im Heiligenkalender Geburtstag von Johannes dem Täufer. Von ihm stammt der fälschlicherweise viel zu oft den Machern der „Brigitte“-Diät zugeschriebene Slogan: „Ich muss abnehmen“. Er soll diesen Satz im Blick auf Jesus gesagt haben: „Er muss wachsen – ich muss abnehmen.“ Johannes, dessen Mutter Elisabeth mit Maria, der Mutter Jesu verwandt war. Und beide Mütter waren zeitgleich schwanger. Elisabeth überraschenderweise in ihrem vorgerückten Alter, die gar nicht mehr mit einem Kind gerechnet hat. Und Maria überraschenderweise, als unverheiratete Frau, durch den Heiligen Geist, so beschreibt die Bibel das Wunder.

Eine Woche ist es nun her. Als ich dieses ganz besondere Päckchen erhielt. An mich adressiert. An den Pastor – persönlich! Das klang gewichtig und geheimnisvoll. Zumal kein Absender zu erkennen war. Es fühlte sich an wie ein Geschenk! – Nun müsst ihr wissen, dass wir im Pastorat ziemlich viel Päckchen und Pakete bekommen. Unser armer Postbote, der sie zu schleppen hat, kann davon ein Lied singen! Längst nicht alle sind dienstlich. Aber meistens sind die privaten an meine Mädels adressiert. Die eine bestellt Tierbedarf. Die andere bestellt Klamotten ohne Ende, von denen die Hälfte dann nicht passt und wieder zurückgeschickt wird. Und meine Frau wiederum ist bei Ebay und außerdem in so vielen sozialen Foren im Internet unterwegs, und da wird sich ausgetauscht, Bastelbedarf, Strickwaren und so vieles mehr. Es ist also nichts Ungewöhnliches, dass bei uns Päckchen und Pakete eintrudeln, aber dieses eine nun war wirklich an mich adressiert. An mich ganz allein und unmissverständlich: An den Pastor persönlich!

Fronleichnam ist heute. Katholischer Feiertag. 1246 das erste Mal gefeiert. Eine Frau „erfand“ dieses Fest, Juliana von Lüttich, als sie eines Nachts den hellen Vollmond an einer Stelle verdunkelt vorfand und von Christus selber die Erklärung bekommen haben soll: Es fehlt ein Abendmahlssakrament. Es gibt so viele Feste in der Kirche – aber keines, bei dem wir Gott für das Abendmahl, die heilige Kommunion, danken. Und so wird seither in vielen katholischen Gegenden am Fronleichnamstag in einer feierlichen Prozession die Abendmahlsgeräte mit dem heiligen Abendmahl zur Anbetung durch die Straßen getragen. Ich habe den Fronleichnamstag immer sehr geliebt. Als Kind schon.Fronleichnam ist in meiner hessischen Heimat ja ein staatlich geschützter Feiertag. So hatten wir Schülerinnen und Schüler kurz vor Beginn der Sommerferien noch ein letztes verlängertes freies Wochenende.

1+1+1= 1. Sie ist schon etwas eigenwillig, die Mathematik unseres christlichen Glaubens. Herkömmliche Taschenrechner sind damit völlig überfordert, und unsere Kopfrechenkünste bringen uns auch nicht wirklich voran. 1+1+1=1. Wer liebt, der wiegt dagegen bedächtig den Kopf: Na ja. Das ist schon mal so. Dass zwei, die sich lieben, so sehr miteinander verschmelzen, dass sie sich eins fühlen, auch wenn sie noch immer zwei sind. Und in einer Familie, die ganz eng zusammenhält und über Höhen und Tiefen und viele Herausforderungen des Lebens nur noch mehr zusammengerückt ist, sind dann womöglich sogar drei oder vier wie eins…- Und das ist wohl genau der richtige Ansatz um auch die besondere Mathematik unseres Glaubens zu verstehen.

Wie hätte es der liebe Gott mit Pfingsten eigentlich heute, in dieser Corona-Zeit bewerkstelligt? Ob Jesus dann auch seine Jüngerinnen und Jünger aus nächster Nähe angeblasen hätte um ihnen so den heiligen Geist zu schenken? Ob in Jerusalem dann auch tausende Menschen zusammengestürmt wären, alle Abstandsregeln vergessend, und Petrus mal schnell 3000 Menschen auf einmal getauft hätte? Der Heilige Geist findet immer Wege zu uns Menschen – auch mit Mund-Nasen-Bedeckung und Mindestabstand! Und wir brauchen ihn heute ja nicht weniger als damals. Die Coronazeit hat Kirchen auch neue Wege geführt. Manche haben Neues ausprobiert und sich als Internetgemeinden neu gefunden. Und andere haben bewährte Wege neu entdeckt, fingen an Briefe zu schreiben, Menschen in Pflegeheimen anzurufen, Predigten in die Häuser zu bringen oder Kindern Kreide zu schenken für ein schönes, buntes Pfingstbild vor den Kirchen. Pfingsten geschieht auch heute. Und wir brauchen diesen Geist Gottes, der in der Bibel übrigens eigentlich sehr weiblich ist: die heilige Geistin: wir brauchen diesen Sturm, der Verkrustetes aufbricht und uns in unserem Leben und auch in unseren Gemeinden neue Wege gehen lässt. Wir brauchen die Kraft der Vergebung, in der ich Gottes Güte und Geduld mit mir erfahre und die mich milder sein lässt mit anderen. Wir brauchen die Trösterin, die mit uns kommt ins stille Kämmerlein, ihren Arm um uns legt und uns leise ins Ohr flüstert: Ich bin da, alles wird gut! Wir brauchen die Fürsprecherin, die sich vor uns stellt, zu uns hält, mit der ich mich nach draußen traue, auch wenn die Welt mir gerade noch so feindlich begegnet. Wir brauchen den Blick für die anderen und für einander, die Gemeinschaft im Glauben, die Gott uns schenken will. Wir brauchen das Feuer der Begeisterung, das uns Feuer und Flamme sein lässt für dieses Leben und für Gott – wenn wir diese Begeisterung einfach weitertragen könnten! Wir brauchen Gott, der so am Wirken ist, mitten unter uns, und genau das beschreibt ja die Rede vom heiligen Geist: Gott in Aktion, heute, hier, bei dir und bei mir! Ich wünsche euch gesegnete Pfingsten. Und wer mag – vielleicht sehen wir uns in einem der Gottesdienste!

Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald

Tat das gut! Nach Wochen der Absagen oder Aufschüben auf das kommende Jahr von Taufen, Hochzeiten, Konzerten, Festen hat es mich jetzt innerhalb von 24 Stunden gleich dreimal anders herum erreicht: erst kam eine Taufanmeldung für August, dann am Abend ein Taufgespräch für eine Taufe auf Südwesthörn im Juni und eben die erste Vorbesprechung für das Rausschmeißerfest in der Kita: Nur im kleinen Kreis in diesem Jahr, mit den Kindern, die in die Schule wechseln, aber eben doch mit Andacht und vor allem: dem Schubkarren-Rauswurf, von dem alle noch Jahre später träumen! – Da hat uns ganz viel Leben wieder, und das fühlt sich richtig gut an! Wir können nicht alles verschieben oder ausfallen lassen – umso dringlicher ist es dann, andere, „coronagerechtere Formen zu entwickeln! Unsere Kita ist da mit einem tollen Team und tollen Eltern gut vorangekommen. Der Plan stand jetzt bis zu den Ferien, dass aus zwei Gruppen vier kleinere Gruppen wurden, die im Wechsel, immer zwei pro Woche, jetzt wieder in die Kita kommen dürfen.